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Naming für neue Produkte richtig angehen

  • Autorenbild: Blasio Hertz
    Blasio Hertz
  • 18. Juni
  • 5 Min. Lesezeit

Der Produktname ist oft die kürzeste Zeile im ganzen Launch. Und trotzdem kann genau diese Zeile das Ding nach vorn bringen oder elegant gegen die Wand fahren. Wer beim Naming für neue Produkte auf Bauchgefühl, interne Lieblingswitze und den Geschmack des CEOs setzt, bekommt selten einen starken Namen. Meist bekommt er Kompromissbrei mit PowerPoint-Freigabe.

Ein guter Produktname klingt nicht nur nett. Er trägt Positionierung, macht ein Angebot schneller verständlich, bleibt eher hängen und spart auf Dauer Kommunikationskosten. Ja, auch das ist der unromantische Teil von Kreativität: Wenn der Name seine Arbeit macht, muss der Rest weniger schuften.

Warum Naming für neue Produkte so oft schiefgeht

Das Problem ist selten fehlende Kreativität. Das Problem ist fehlende Schärfe. Viele Teams steigen viel zu früh in die Namenssuche ein, obwohl zentrale Fragen noch offen sind: Was genau ist das Produkt? Für wen ist es gedacht? Worin liegt der Unterschied zum Wettbewerb? Soll der Name eher erklären, emotionalisieren oder eine neue Kategorie aufbauen?

Ohne diese Vorarbeit entstehen Listen mit 200 Ideen, von denen 180 beliebig sind und 20 juristisch tot. Klingt hart. Ist aber Alltag.

Dazu kommt ein typischer Denkfehler: Ein Name wird oft isoliert beurteilt. Als wäre er ein Kunstwerk im Vakuum. In Wirklichkeit funktioniert er immer im Kontext. Mit Packaging. Mit Claim. Mit Vertrieb. Mit Suchverhalten. Mit internationaler Aussprache. Mit dem Moment, in dem jemand ihn zum ersten Mal hört und nicht nachfragen will müssen, ob das jetzt ein Nahrungsergänzungsmittel, eine App oder ein Staubsaugeraufsatz ist.

Was ein guter Produktname leisten muss

Ein Produktname muss nicht alles gleichzeitig können. Aber er sollte die richtige Aufgabe zuverlässig erfüllen. Genau hier wird es interessant, denn die Anforderungen hängen vom Markt, vom Preisniveau und von der Markenarchitektur ab.

Im FMCG-Bereich darf ein Name oft schneller wirken und emotionaler zünden. Im B2B oder Tech-Umfeld ist Verständlichkeit häufig wichtiger als Raffinesse. Im Healthcare-Segment gelten wieder andere Regeln, weil Seriosität, regulatorische Grenzen und Vertrauenssignale stärker mitspielen. Es gibt also nicht den perfekten Namen. Es gibt nur den passenden.

Meist bewegen wir uns zwischen fünf Wirkungen: verständlich, eigenständig, merkfähig, markenkonform und rechtlich machbar. Wer einen Namen baut, der auf vier dieser fünf Ebenen stark ist, ist schon sehr gut unterwegs. Wer auf allen fünf liefert, sollte das Meeting sofort beenden und den Champagner kaltstellen.

Naming für neue Produkte beginnt nicht mit Wortlisten

Es beginnt mit Entscheidungen. Erst die Strategie, dann die Silben.

1. Die Rolle des Namens klären

Soll der Name sofort erklären, was das Produkt tut? Dann landet man eher bei deskriptiven oder sprechenden Lösungen. Soll er eine neue Welt aufbauen? Dann darf er abstrakter, aufladbarer und eigenständiger sein. Beides hat Vor- und Nachteile.

Ein erklärender Name erleichtert den Markteintritt. Gerade bei neuen oder komplexen Produkten ist das Gold wert. Der Preis dafür ist oft geringere Eigenständigkeit. Ein abstrakter Name kann markanter sein und langfristig stärker wachsen, braucht aber mehr kommunikative Anschubhilfe.

2. Den Suchraum definieren

Hier trennt sich ordentliches Arbeiten vom kreativen Glücksspiel. Welche sprachlichen Richtungen sind sinnvoll? Deutsch, Englisch, Kunstwort, Hybrid, Funktionsbezug, Metapher, Gründername, Systemname? Welche Tonalität passt zur Marke? Eher souverän, technisch, leicht, progressiv, premium, pragmatisch?

Wenn dieser Rahmen sauber steht, wird Naming plötzlich schneller. Nicht einfacher, aber deutlich zielgerichteter.

3. Kriterien vor der Ideation festlegen

Klingt trocken. Spart aber Blutdruck. Gute Kriterien könnten sein: leicht aussprechbar, im DACH-Raum verständlich, keine peinlichen Nebenbedeutungen, anschlussfähig an die Marke, digital brauchbar, international halbwegs tragfähig. Wichtig ist nur: Die Kriterien müssen vor den Vorschlägen feststehen. Sonst werden sie später so gebogen, dass der Lieblingsname von irgendwem doch noch irgendwie durchpasst.

Welche Arten von Produktnamen es gibt

Nicht jeder Name muss poetisch sein. Manchmal reicht präzise. Manchmal ist Präzision sogar die bessere Kreation.

Beschreibende Namen sagen direkt, worum es geht. Das ist nützlich, wenn das Produkt neu, erklärungsbedürftig oder sehr funktional ist. Der Nachteil: Solche Namen sind selten unverwechselbar.

Assoziative Namen arbeiten mit Bildern, Stimmungen oder Bedeutungsräumen. Sie erklären nicht alles, erzeugen aber schnell ein Gefühl. Das kann sehr stark sein, wenn die Marke genug Kraft hat, diesen Raum zu besetzen.

Kunstwörter schaffen maximale Eigenständigkeit, wenn sie gut gebaut sind. Wenn sie schlecht gebaut sind, klingen sie wie ein Medikament gegen Sodbrennen. Auch das muss man erst mal schaffen.

Systematische Namen funktionieren besonders dort, wo Produktfamilien wachsen sollen. Versionen, Linien, Add-ons, technische Abstufungen. Nicht sexy, aber oft extrem vernünftig.

Der richtige Weg hängt also nicht von kreativem Ego ab, sondern von Aufgabe, Markt und Wachstumsperspektive.

Der häufigste Fehler: zu viele Köche, zu wenig Haltung

Naming scheitert selten an der ersten Runde. Es scheitert in Runde drei, wenn plötzlich zwölf Leute mitreden, die vorher nicht im Prozess waren. Dann wird aus Klarheit Konsensmanagement. Der mutige Name ist „zu spitz”, der klare Name „zu generisch”, der smarte Name „nicht jedermanns Geschmack”. Übrig bleibt das sprachliche Äquivalent von lauwarmem Mineralwasser.

Wer Naming für neue Produkte professionell angeht, braucht daher nicht nur Ideen, sondern einen belastbaren Auswahlprozess. Kleine Runde. Klare Entscheider. Saubere Kriterien. Und die Bereitschaft, nicht jeden Einwand wie eine Offenbarung zu behandeln.

Nicht jede Irritation ist ein Problem. Manchmal ist sie einfach nur ein Zeichen dafür, dass der Name nicht schon tausendmal im Markt herumliegt.

Wie man gute Namen prüft, ohne sie totzutesten

Tests sind sinnvoll. Aber bitte nicht als Massaker an jeder starken Idee.

Ein Name sollte laut ausgesprochen werden. Mehrfach. Von Leuten, die nicht im Projekt stecken. Er sollte in einer Betreffzeile funktionieren, auf einer Packung, in einer Sales-Präsentation und am Telefon. Wenn der Vertrieb ihn vermeidet, weil er peinlich oder sperrig klingt, ist das kein Detail. Das ist ein Warnsignal.

Ebenso wichtig ist der Kontextcheck. Ein Name, der allein stark wirkt, kann neben Dachmarke, Produktbeschreibung und Visualität plötzlich an Kraft verlieren. Oder erst dort richtig gewinnen. Deshalb sollte man Namen nie nur auf einer Liste bewerten, sondern in realistischen Anwendungen.

Und dann kommt der Teil, den manche gern bis zum Schluss ignorieren: die rechtliche Prüfung. Markenrecherche ist keine Kreativbremse, sondern Realitätskontakt. Es bringt nichts, sich zwei Wochen in einen Namen zu verlieben, der am Ende nicht nutzbar ist.

Gute Namen sind keine Zufälle, aber auch keine Mathematik

Ja, es gibt Methoden. Es gibt semantische Felder, Sprachmuster, morphologische Logiken, Wettbewerbsanalysen und Bewertungsmatrizen. Alles hilfreich. Aber am Ende bleibt Naming eine Disziplin zwischen Strategie und Sprachgefühl.

Der Name muss passen, nicht nur argumentierbar sein. Das ist ein Unterschied. Manche Vorschläge wirken auf dem Papier vernünftig und bleiben trotzdem komplett leblos. Andere sind in der Bewertung zunächst unbequem und entfalten genau deshalb Präsenz.

Wer nur nach Excel auswählt, bekommt oft Excel-Namen. Sehr korrekt. Sehr vergessen.

Wann externe Perspektive den Unterschied macht

Intern kennt man das Produkt zu gut. Genau das ist gefährlich. Was im Team logisch klingt, bleibt draußen oft erklärungsbedürftig. Externe Naming-Entwicklung bringt Distanz, sprachliche Präzision und vor allem etwas, das in vielen Prozessen fehlt: die Freiheit, nicht im internen Jargon gefangen zu sein.

Ein erfahrener Texter oder Konzepter schaut anders auf die Aufgabe. Nicht nur mit Blick auf schöne Wörter, sondern auf Wirkung. Was bleibt hängen? Was transportiert Positionierung? Was lässt sich erzählen? Was skaliert in Kampagne, Packaging, Social und Vertrieb? Genau dort wird aus einem Namen ein Kommunikationswerkzeug.

Blasio Hertz entwickelt solche Namen nicht als dekoratives Beiwerk, sondern als Teil der Marke. Das ist ein Unterschied, den man später hört, liest und verkauft.

Was Sie vor dem nächsten Naming-Projekt klären sollten

Bevor die erste Idee auf dem Tisch liegt, sollten drei Fragen sauber beantwortet sein: Was muss der Name leisten? Was darf er auf keinen Fall sein? Und wer entscheidet am Ende wirklich?

Wenn diese drei Punkte unklar sind, wird der Prozess länger, politischer und teurer als nötig. Wenn sie klar sind, entsteht Fokus. Und Fokus ist beim Naming meist wertvoller als der 87. Geistesblitz.

Der beste Produktname ist nicht der, den im Workshop alle „ganz spannend” finden. Es ist der Name, der im Markt funktioniert, intern tragfähig bleibt und Ihrer Kommunikation Arbeit abnimmt. Genau danach sollte man suchen. Nicht nach Nettigkeit, sondern nach Wirkung.

Wenn Sie also das nächste Mal ein Produkt benennen müssen, sparen Sie sich das Bullshit-Bingo aus „innovativ”, „smart” und „next”. Stellen Sie zuerst die richtigen Fragen. Die guten Namen kommen dann nicht von allein. Aber sie kommen deutlich wahrscheinlicher.

 
 
 

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